Mittwoch, 20.11.2019 20:54 Uhr

Nicht-invasiver Ausschluss einer Koronaren Herzkrankheit

Verantwortlicher Autor: Bianca Bell-Chambers Korschenbroich, 25.09.2019, 11:59 Uhr
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CADScor®-System im Betrieb
CADScor®-System im Betrieb  Bild: Bianca Bell-Chambers

Korschenbroich [ENA] Der Ausschluss einer Koronaren Herzkrankheit (KHK) ist jetzt binnen weniger Minuten möglich. Per hochsensibler Phonokardiographie kann eine chronische Veränderung der Herzkranzgefässe ausgeschlossen werden, ohne dass ein Eingriff in den Körper oder gefährliche Strahlung notwendig ist.

Lagern sich Fett, Kalzium und Cholesterin an den Herzkranzarterien ab, kann dies auf Dauer zu einer Verstopfung der Gefässe und damit zu einer beeinträchtigten Durchblutung führen. In der Folge entsteht eine chronische Unterversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff und Nährstoffen. Ein andauerndes oder wiederholtes Engegefühl oder ein Druckschmerz im Brustbereich können Hinweise auf eine Koronare Herzkrankheit (KHK) sein.

Die KHK ist eine fortschreitende Erkrankung, die zu unter anderem zu Herzrythmusstörungen, Herzinfarkt und plötzlichem Herztod führen kann. Herzerkrankungen sind eine der häufigsten Todesursachen industrialisierter Länder. Um eine schnelle und präzise Diagnostik liefern zu können, bedarf es eines umgehenden Handelns. Hierzu wird der Patient meist zum Herzspezialisten, dem Kardiologen, überwiesen.

Die Wartezeiten beim Facharzt können je nach Einzugsgebiet einige Wochen bis Monate dauern. Es vergeht wertvolle Zeit, in welcher ein tatsächlich an KHK erkrankter Patient nicht angemessen therapiert werden kann. Das kann zu schwerwiegenden Folgen führen, wenn in dieser Zeit Komplikationen auftreten. Durch den Einsatz des CADScor®Systems kann die KHK schnell ausgeschlossen werden. Der CADScor®-Test ist durch medizinisch eingewiesenes Personal effizient und problemlos durchführbar.

Dazu wird der Sensor des Gerätes mit dem Patch verbunden und an die entsprechende Stelle auf dem Brustkorb des Patienten aufgesetzt. Nach einer mehrminütigen Ruhephase mit anschliessender Voraufnahme beginnt die Aufnahme der koronaren Strömungsgeräusche, während der Atem für vier Mal circa acht Sekunden angehalten wird. Danach berechnet das Gerät selbständig den individuellen CADScor® und zeigt ihn auf dem Gerät an. Eine Risikobewertung findet anschliessend statt. Die gesamte Untersuchung dauert nicht mehr als zehn Minuten und kann von medizinisch angelerntem Personal durchgeführt werden.

Die Acarix AB aus Malmö in Schweden hat dieses Gerät entwickelt, um Patienten mit Verdacht auf eine Koronare Herzerkrankung schnell und strahlungsfrei ohne Eingriff, wie das beispielsweise bei einer Herzkathederuntersuchung der Fall ist, Gewissheit zu liefern. Ein weiterer Vorteil dieser Untersuchung liegt darin, dass der Patient kein Belastungs-EKG durchführen lassen muss, wenn er aus gesundheitlichen Gründen nicht auf ein Fahrrad steigen sollte oder kann.

Sollte ein Belastungs-EKG beim Patienten möglich sein, besteht noch immer die Gefahr, dass dieser nicht ausreichend belastbar ist, um hinreichende Ergebnisse zu liefern. Auch steht die diagnostische Aussagekraft von Belastungs-EKGs seit längerem in der Kritik, da es mittlerweile bessere, bildgebende Verfahren gibt. Grund für die Kritik ist auch die geringe Sensitivität des Testverfahrens. Die Sensitivität gibt an, wie viele der tatsächlich Erkrankten durch das Verfahren wahrscheinlich erkannt werden. Diese liegt laut gemeinsamer Leittlinien der "Deutsche Gesellschaft für Kardiologie" (DGK) und "European Society of Cardiology" bei 45 - 50. Das bedeutet, dass von 100 Erkrankten weniger als 50 durch ein Belastungs-EKG erkannt werden.

Leitlinie Management der stabilen KHK

In der täglichen Routine läuft ein Arzt Gefahr, die 50 - 55 nicht erkannten Erkrankten fälschlicherweise als gesund zu diagnostizieren. Eine weitere Problematik ist, dass das Belastungs-EKG bei vorstehenden EKG-Veränderungen meist nicht auszuwerten ist. Bei einem Gesunden gibt die Spezifität des Testverfahrens an, wie viele der Gesunden üblicherweise erkannt werden. Beim Belastungs-EKG sind das 85 - 90. Folglich werden 10 - 15 Gesunde als erkrankt diagnostiziert.

Alternativ könnte ein Stress-Magnetresonanztomografie (Stress-MRT) oder eine Stress-Echokardiografie, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens unter Gabe eines Medikamentes, welches die Herzfrequenz erhöht und so "künstlichen Stress" erzeugt weiteren Aufschluss geben. Die Verfahren sind zwar genauer als ein Belastungs-EKG, aber aufwändig und teuer und in der Regel nicht spontan durchführbar. Der Patient wird zudem mit Medikamenten belastet. Eine computertomografische CT-Angiografie ist eine radiologische Untersuchung der Gefässe des Herzens unter Gabe von Kontrastmitteln. Auch dieses bildgebende Verfahren ist aussagekräftiger als ein Belastungs-EKG, aber aufwändig, teuer und belastet den Patienten mit radioaktivem Material.

In der für das Zulassungsverfahren relevanten "Danish study of Non-Invasive testing in Coronary Artery Disease" (Dan-NICAD) wurde für das CADScor®-System eine Sensitivität von 85 und eine Spezifität von 53 ermittelt. Es ergibt sich ein negativer Vorhersagewert von 97 Prozent, der per Formel errechnet wird. Das CADScor®-System dient damit einer guten Ausschlussdiagnostik für eine KHK. Zur Diagnose der KHK ist es aufgrund geringerer Spezifität nicht empfohlen. Somit eignet sich das Verfahren in erster Linie zur Vorselektion bei Verdacht auf KHK. Bei positivem Ergebnis müssen weitere klinische Test erfolgen. Ein negatives Ergebnis schliesst eine KHK mit hoher Wahrscheinlichkeit aus.

In Deutschland sind derzeit knapp 30 Geräte - überwiegend bei Kardiologen und einigen Internisten - im Einsatz. Auch die Charité in Berlin verfügt in der Notaufnahme über ein CADScor®-System. Die Untersuchung beim niedergelassenen Arzt kostet circa 80 Euro und kann über die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) oder als IGel-Leistung abgerechnet werden. Zur Zeit wird die Untersuchung noch nicht standardmässig von der Krankenkasse übernommen. Auf Antrag kann vorab eine Kostenübernahme zugesichert werden. Die Krankenkasse hat drei Wochen Zeit, den Antrag abzulehnen. Danach gilt er als genehmigt.

Das Gerät kostet 7.854 Euro inklusive Mehrwertsteuer (netto 6.600). In dem Preis enthalten sind Patches für 120 Untersuchungen. Der Preis ist so kalkuliert, dass sich das Gerät bereits über die 120 Untersuchungen amortisiert. Vertreten ist Acarix auch auf dem "DGK Herztage 2019" am 11. Oktober in Berlin. Weitere Informationen gibt es über tanja.lohner@acarix.com.

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