Sonntag, 21.04.2019 17:02 Uhr

Schizophrene Reisebegleitung legt los

Verantwortlicher Autor: Dipl. Ing. Marc Störmer FRANKFURT, 24.01.2019, 07:58 Uhr
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FRANKFURT [ENA] Eine Reise mit der Deutschen Bahn hat viele Seiten. Eine davon ist die Kommunikation mit Mitreisenden. Vorher kann man nicht wissen, zu wem man sich setzt oder wer sich zu einem setzt. Fast schon einer Art russisches Roulette. Doch das Gegenüber trägt maßgeblich dazu bei ob die Reise eher lang- oder eher kurzweilig wird. Ob ein Gespräch überhaupt zustande kommt, oder ob man sich nichtssagend gegenüber sitzt.

Vor weniger als 12 Stunden, auf der Fahrt von Frankfurt nach Leipzig, setzte sich mir eine junge Frau im Speisewagen gegenüber. Sie fragte höflich, ob der Platz frei sei. Mit einer ebenso freundlichen Geste deutete ich auf den freien Platz und gab ihr zu verstehen, dass sie sich setzen könne. Erfreut reichte sie mir die Hand - das kam bis dato zum ersten mal überhaupt vor, dass mir in der Bahn die Hand gereicht wird - dankte mir und nahm Platz. Wenige Augenzwinkern später legte sie dann los. Einleitend sagte sie: "Ihr geht mir alle so auf den Geist!" Woraufhin ich sie erstaunt ansah. Doch sie lächelte mich mit einem breiten Grinsen an und meinte: "So, dass hätten wir dann schonmal gesagt. Sonst noch irgendwelche Fragen?"

Ich lächelte zurück und meinte: "Nein, ich habe alle Fragen gestellt." Worauf sie wieder ein breites Grinsen aufsetzte. Vor mir lagen zwei Stunden Zuhören und Kopfnicken. Möglichst wenig reden, denn ein falsches Wort oder einer falsche Geste lockten die junge Frau sofort aus der Reserve und gaben ihr Zündstoff für weitere Ausschweifungen in ihre depressive, hyperaktive, bipolare multischizophrene Welt. Alles Krankheitsbilder, die sie sich neben unzähligen anderen selbst andichtete. Generell war ich - ihr einziges Gegenüber - in der Mehrzahl. Sie sprach mich immer mit Ihr und Euer an. Irgendetwas machte der jungen Dame angst. Natürlich hatte sie für jeden Fall der eintreten konnte, die richtigen Tabletten dabei.

Ihre Reise sollte in Berlin enden. Dort war sie verabredet. Zum ersten Mal in ihrem Leben sei sie so weit gereist. Und jetzt sei sie mit der Situation vollkommen überfordert. Das große Pils, das sie sich bestellte, war kurz vor Eisenach leer. Sie verabschiedete sich und ging zurück in ihr Abteil. Nachdenklich ging ich in mich und versuchte die beiden letzten Stunden zu rekapitulieren. Fragte mich, ob ich alles richtig gemacht hatte. Warum nur? Nur noch eine Stunde bis zum Ziel, da hatte ich genug Zeit zum Nachdenken. 30 Minuten später taucht die Junge Frau wieder im Speisewagen auf. Sie setzte sich zwei Bänke weiter zu einer älteren Dame. "Guten Morgen, ist der Platz noch frei?"... "Ihr geht mir alle so auf die Nerven..."

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