Samstag, 23.02.2019 03:36 Uhr

Erzbistum will mit schöpfungsgerechtem Ökostrom punkten

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Köln, 08.02.2019, 20:14 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Mixed News +++ Bericht 2693x gelesen

Köln [ENA] Während die gesamte katholische Kirche wegen ihres Missbrauchsskandals in der Kritik steht, versucht sie im Erzbistum Köln, mit ihrer Ökobilanz zu überzeugen. Dieses Ziel verfolgt auch die Umstellung der Versorgung von 80 Prozent der erzbischöflichen Institutionen auf Strom aus erneuerbaren Energien. Laut Kölner Kurie will sie mit der “schöpfungsgerechten” Initiative ein “Zeichen für die Energiewende” setzen.

Zu diesem Zweck habe die Naturstrom AG die RheinEnergie AG als Ökostrom-Lieferant des Erzbistums abgelöst; sie werde Elektrizität aus österreichischer und deutscher Wasserkraft liefern. Die Kurie teilte mit, der Wechsel sei Ergebnis einer Ausschreibung, für die zahlreiche Firmen zur Abgabe eines Angebots aufgefordert worden seien. Naturstrom werde in 39 erzbischöfliche Institutionen fliessen. Insgesamt umfasse die Versorgung von Schulen und Verwaltungsgebäuden links und rechts des Rheins zwischen Bonn, Düsseldorf und Wuppertal, aber auch des Kölner Kolumba-Museums, 2019 etwa 10,5 Millionen Kilowattstunden Ökostrom. Kirchengemeinden seien nicht eingeschlossen, da diese eigenständige Einheiten bildeten, erklärte das Erzbistum.

Hauptziel des Klimaschutzkonzepts sei, bis 2020 mit Hilfe umweltfreundlicher Energieträger ein Viertel weniger CO2 als im Jahr 2007 zu verursachen, sagte Generalvikar Markus Hofmann. In der Verwaltung sei der Stromverbrauch seit 2014 um zwölf Prozent gesunken. Der Plan sieht ein Energie- und Klimaschutzmanagement vor, das “grüne” Beschaffung in der Diözese fördern soll, u.a. Massnahmen zur Energieeinsparung und die Erhöhung des Ökostrom-Anteils, der bis 2030 auf 100 Prozent steigen soll. Durch Telearbeit, Ankauf von E-Fahrrädern, Jobtickets und Fahrgemeinschaften will die Kirche zu umweltfreundlicher Mobilität beitragen. Leichtlaufreifen und -öle sollen die Nutzung des kirchlichen Fuhrparks ökologisch optimieren.

„Unsere Erde, Gottes Schöpfung, wollen wir auch für die zukünftigen Generationen erhalten. Als Christen müssen wir auch hier unser Tun immer wieder prüfen und so ausrichten, dass es nachhaltig ist,” sagte der Generalvikar. Gerade mit diesen Entscheidungen könne die Kirche in einer komplexen Welt viel bewirken. Die Zusammenarbeit mit kirchlichen Institutionen hat bei der Düsseldorfer Naturstrom AG Tradition. Aktuell beliefert das Unternehmen bundesweit ca. 13.000 Kirchen, Gemeinde- und Pfarrhäuser, Kindertagesstätten, Altenpflegeeinrichtungen oder Schulen in kirchlicher Trägerschaft mit Ökostrom. Der Öko-Energieversorger hat auch Photovoltaikanlagen auf Dächern in Kirchengemeinden und kirchlichen Verwaltungsgebäuden installiert.

Die Firma wurde 1998 gegründet, setzt auf erneuerbare Energien und sagt, sie sei unabhängig von der Kohle-, Erdöl- und Atomindustrie. Das Unternehmen wird von etwa 1.200 Aktionärinnen und Aktionären getragen und beliefert rund 240.000 Kunden (darunter Amnesty International) mit Ökostrom und mehr als 25.000 mit Biogas. Im Naturstrom-Geschäftsbericht von 2017 ausgewiesene erhebliche Ertragseinbussen wollte das Erzbistum auf Anfrage nicht kommentieren. Naturstrom erklärte, man habe eine zum Jahresanfang 2017 notwendige Preiserhöhung für Ökostrom um zwei Monate nach hinten verschoben und Kostensteigerungen nicht vollständig weitergegeben. Auch Anschubkosten in neuen Bereichen hätten zum “geplanten Ergebnisrückgang” geführt.

Zu Vergleichsdaten des jährlichen Ökostrom-Verbrauchs befragt, antwortete die Deutsche Energie-Agentur, Magdeburg (230.000 EW) weise einen Verbrauch von 17 Mio. kWh in kommunalen Liegenschaften auf, wobei diese nur etwa zur Hälfte erfasst worden seien; hinzu kämen knapp 11 Mio. kWh für die Straßenbeleuchtung; Pirmasens (40.000 EW) hat demnach in ihren Liegenschaften ca. zwei Mio. kWh Stromverbrauch, die Stadt Schenefeld im Kreis Pinneberg (23.000 EW) 2,2 Mio. kWh (ca. 80% der Liegenschaften erfasst) inkl. Straßenbeleuchtung und Neunkirchen im Saarland (50.000 EW) 2,7 Mio. kWh.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.