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Hermann Dischinger: Ein neues Buch zum Stadtjubiläum

Verantwortlicher Autor: Dr. Bernd Strecker Bad Schönborn, 04.12.2018, 13:44 Uhr
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Hermann Dischinger: Gedanken in Wort & Bild
Hermann Dischinger: Gedanken in Wort & Bild  Bild: Dr. Bernd Strecker

Bad Schönborn [ENA] Der erfolgreiche und bekannte Schriftsteller Hermann Dischinger hat ein neues Buch veröffentlicht mit dem Titel „Gedanken in Wort und Bild“, und zwar zum Stadtjubiläum: 1.250 Jahre Östringen. Dieser Band ist eine geglückte Fortsetzung und Weiterentwicklung eines größeren Projekts.

Dieses Projekt hat Dischinger vor etwa zwei Jahren begonnen, mit einem ähnlich lautenden Titel „Gedanken über das Leben“. Auch die äußere Aufmachung und Farbgebung der beiden Bücher ist nahezu identisch. Die Kontinuität und angestrebte Ausformung dieses Vorhabens (vgl. Verfasser, Hermann Dischinger: Ein neues, komplexes Projekt! In: ENA 12.01.2017) birgt verschiedene, interessante Aspekte. Zunächst sind es die bereits erwähnten Titel, deren letzterer (2018), wie wir meinen, sprachlich am treffsichersten das Programm einer übergreifenden künstlerischen Kooperation beschreibt.

Es ist ein völlig neuer Ansatz. „WORT“ (Dischingers Texte / linke Seite) und „BILD“ (Bilder Östringer Künstler mit unterschiedlichen Techniken / rechte Seite) sind zusammen als Einheit - („&“) - zu sehen; zugleich wurden beide genannten Elemente gleichwertig auf den übergeordneten komplexen Begriff „GEDANKEN“ ausgerichtet. Da drucktechnisch das darin enthaltene Wort „DANKEN“ farblich hervorgehoben ist, bezieht sich dieses Verhalten im Sinne Dischingers - und zwar als verantwortlicher Autor und Herausgeber - einmal auf seine bildgestaltenden Kollegen, wie andererseits im Rahmen des Jubiläums auch auf die Stadt Östringen, die Dischinger als seine geschätzte Heimat ansieht.

Belege für diese Haltung finden sich in seinen Texten an verschiedenen Stellen. Genauso vielseitig wie die ausgewählten Bilder sind auch die ausgefeilten Texte Dischingers. Als ein wichtiger Aspekt ergibt sich zunächst die Gegenüberstellung der beiden Idiome Schriftsprache und spezielle Mundart. Gerade was letztere angeht, ist Dischinger zweifellos die nicht zu hinterfragende Autorität.

Bei der Vernissage des neuen Buches am 3. November 2018 hat der einladende Östringer Bürgermeister, Felix Geider, keineswegs übertrieben, als er - zu Dischinger gewandt - um dessen weitere Arbeit inständig gebeten hat. Das war sicherlich kein ausschließlicher PR-Trick Geiders, sondern in erster Linie sein echter, tieferer Wunsch, die Kodifizierung der Östringer Mundart wirklich angemessen und nachvollziehbar weiter zu konsolidieren.

Zudem kann man vom neuen Buch Dischingers (2018) sagen, dass hier - im Gegensatz zu seinem ersten - die mundartlichen Texte stark überwiegen. In diesem Zusammenhang setzt er sich an entscheidenden Stellen zusätzlich mit der ihm eigenen Synthese von Mundart und Schriftsprache, aber auch mit deren harter Gegensätzlichkeit auseinander. Dies ist ihm unseres Erachtens jeweils überzeugend gelungen.

Als Beispiel für die Gegensätzlichkeit sei hier genannt: „Mundart unn Schriftdeitsch“ sowie „Es gibt Tage, [...]“ (beide Textstellen S. 6). Gleich zu Beginn gibt also Dischinger eine exakte Definition seines komplexen Gegenstandes, der dann in folgenden Beispielen unterschiedlich variiert wird. Einen größeren Kontrast in der sprachlichen Bewältigung ‚desselben’ Inhalts bzw. auch von Vorstellungswelten ist unseres Erachtens kaum besser machbar.

Interessant und zugleich ‚erhellend‘ ist der Gebrauch der Schriftsprache z.B. im Kontext eines fast einseitigen Mundart-Textes: „Net sou lang her“ (S. 36). In Absatz 6 heißt es: „S-isch noch gar net sou lang her, / do-hot-mer gsaat: De Mensch, die Krone der Schöpfung!“ Die herausragende Bedeutung des Menschen soll hier also zusätzlich durch die Schriftsprache unterstrichen werden. Doch schon in den folgenden zwei Zeilen kassiert Dischinger diese angebliche Überlegenheit des Menschen mit einer brutalen Richtigstellung: „Heit hockt-er widder uff de Baam-Krone unn hofft, / dass-sich d‘Schöpfung vum Endknall erholt.“

Schließlich breitet Dischinger in seinem neuen Buch (S. 70) einen ganz besonderen Aspekt seiner erwähnten Konzeption vor dem Leser aus: „Ein Bild“ / „Ein Wort“ / „Bild-Sprache“ / „Sprach-Bild“. Er beschreibt die einzelnen Elemente der erwähnten Begriffe - übrigens in der Schriftsprache -, wie auch deren innere Logik sowie ihre übergreifende Kohärenz. Letztendlich ist in diesem Zusammenhang der angeblich vorherrschende Gegensatz von Sprache und Bild, so Dischinger, bereits im Kern aufgehoben. Dischinger bewegt sich mit diesen Aussagen zusätzlich auf der Ebene der gesicherten wissenschaftlichen Diskussion.

Selbst denjenigen, denen diese Mundart einige Schwierigkeiten bereitet, wird das Buch mit Sicherheit viel Freude bereiten, wenn sie sich denn einigermaßen eingelesen haben. Außerdem stehen ihnen zusätzlich noch die Bilder zur Verfügung. Wir können den Band jedenfalls wärmstens empfehlen. --- Hermann Dischinger: Gedanken in Wort und Bild. - Bilder aus der Aktion zum Stadtjubiläum „Östringen durch die Augen von Künstlern gesehen“ und Bildern aus dem Wettbewerb zum Stadtjubiläum „Östringen durch die Augen von Kindern und Jugendlichen gesehen“. Lindemanns Bibliothek, Band 323. Info Verlag GmbH 2018.

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